Alles alternativlos?

Wann beginnen wir damit, uns über unser Leben Gedanken zu machen?

 

In meinem Fall war es meine Gesundheit, die mich durch den Schmerz darauf immer wieder hingewiesen hat, dass etwas nicht stimmt. Vor über 9 Jahren, da war unsere Tochter gerade mal 9 Monate alt, hatte ich eine echt schlimme Bronchitis, die über 3 Monate lang dauerte und einfach nicht besser wurde. Verschiedene Ärzte verschrieben verschiedene Medikamente, darunter drei unterschiedliche Antibiotika... Nichts half, sondern entkräftete mich völligst.

 

Auf den wiederholten Rat meiner Schwiegermutter ging ich schließlich zu einer Heilpraktikerin. Sie nahm sich reichlich Zeit. Über zwei Stunden lang befragte sie mich zu meinen Gewohnheiten, meiner Lebensweise, ob ich Durchzug ertragen kann und zu vielem anderem mehr. Was hat das alles mit meiner Bronchitits zu tun, warf ich verärgert ein. Sie entgegnete mir damals, es gäbe über 2000 homöopathische Mittel gegen eine Bronchitis. Doch nur dieses eine, was nur mir - heute und hier - passt, würde helfen. Meine Skepsis war mir wohl ins Gesicht geschrieben.

 

Doch wenn die Schulmedizin nicht mehr weiterweiß, ist man für jede noch so kleine Chance dankbar, auch wenn sie uns erstmal völlig absurd erscheint.

 

Ich kam am nächsten Tag wieder und meine Heilpraktikerin fand mein persönliches Mittel, welches ich in Tropfenform über die nächsten 10 Tage einnehmen sollte. Das tat ich, wenn auch nicht wirklich überzeugt. Nach 14 Tagen war ich symptomfrei! Unglaublich! Das hätte ich schon viel früher haben können, doch da war der Schmerz noch nicht groß genug, um mich zu einer Veränderung (hier: der Sichtweise über die Behandlung meiner Erkrankung) bewegen zu können.

 

Das war der Tag, an dem ich mir eingestehen durfte, dass es auch gute alternative Wege zur Heilung gibt. Und da begann auch meine Reise zu mir selbst...

 

Wenn der Körper nach jahrzehntelangem Ignorieren endlich mal - wenn auch nur ganz kurz - erhört wird, gibt er so schnell nicht wieder auf. Denn er hatte so viel zu erzählen... In den Jahren danach kamen neue Symptome hinzu, die anderen wurden gelindert. Immer mehr erzählte mir mein Körper, doch ich verstand seine Sprache einfach nicht, denn ich hatte sie schon vor langer Zeit verlernt.

 

Als Kind haben wir nicht ganz so viele Optionen, mit schmerzhaften Gefühlen umzugehen. Meist können wir uns nur ducken, weglaufen oder angreifen, wenn uns - meist ein Erwachsener - Schmerzen zufügt. Oft sind seelische Verletzungen durch unachtsame Worte, Belehrungen, Kritik, Bestrafung und vieles mehr, viel qualvoller für ein Kind als körperliche Gewalt. Beides ist schlimm genug. Kommen solche Vorfälle öfters vor, weil z. B. einer oder beide Elternteile Alkoholiker sind und ihre Wut nicht unter Konrolle haben, oder aus anderen Gründen gewaltätig werden, lernt das Kind, sich von diesen Gefühlen zu distanzieren, sie vom eigenen Erleben abzutrennen, um sie nicht mehr fühlen zu müssen. In der Psychologie wird dieser Vorgang Abspaltung bzw. Dissoziation genannt. Für diesen Augenblick im Leben eines Kindes ist dies eine sehr vernünftige und lebensnotwendige Reaktion der Psyche. Da geht es ums nackte Überleben. Ein kleines Kind ist vollständig von seinen Eltern (oder Erziehungsberechtigten) abhängig. Es kann nicht mit fünf Jahren seine Sachen packen und ausziehen. Es ist den Großen völlig ausgeliefert. Wird es auch noch fies behandelt, tut es tausendmal mehr weh.

 

Diese Abspaltung bzw. Dissoziation führt jedoch mit der Zeit dazu, dass das Kind lernt, sich selbst nicht mehr zu spüren. Es nimmt nicht mehr wahr, was ihm guttut und was nicht. Diese somatische Intelligenz (Soma = Körper) geht nach und nach verloren. Seine natürliche, in ihm von Zeugung an innewohnende Intuition schwindet immer mehr. Dazu kommt mit der Zeit die Summe an negativen Erfahrungen, erzeugt durch die Kritik, Ablehnung, ERZIEHUNG von anderen Menschen, die das Kind glauben lässt, es sei FALSCH wie es ist. Es müsse sich ständig anstrengen, um anders und besser zu sein. Die Folge solcher Glaubenssätze ist die Selbstablehnung. Das Kind wächst zum Jugendlichen heran und mag sich nicht. Als Erwachsener versucht er/sie ständig sein/ihr Bestes zu geben, um sein/ihr Dasein auf dieser Erde zu rechtfertigen.

Hinzu kommen noch viele nicht wirklich dienliche Verhaltensweisen, die er/sie an den Tag legt, um irgendwie in dieser Welt klar zu kommen, ohne wirklich einen Kontakt zu sich selbst zu haben. Dazu gehören selbstschädigende Dinge wie übermäßiger Alkohol-, Drogen-, Arbeit-, Zigaretten-, Medikamenten-, usw.-Konsum.

 

Wie fühlt sich das eigentlich an, durchs Leben zu gehen, ohne sich selbst zu spüren? Ohne wahrzunehmen, was einem guttut und was überhaupt nicht? Ich jedenfalls entschied mich damals für den Weg der Anpassung. Everybodies Darling, jedem zu gefallen, egal was es koste. Das ständige Verbiegen, um gemocht oder wenigstens nicht abgelehnt zu werden.

 

Doch ging es mir damit richtig gut? War ich glücklich? Ganz im Gegenteil! Und das wollte mir mein Körper damals - wie auch heute immer mal wieder - deutlich machen. Er wollte mir zeigen, dass ich auf dem Holzweg bin. Die Krankheitssymptome sind unsere besten Ratgeber. Unser Unwohlsein bis hin zum Schmerz oder Krankheit sind die besten Wegweiser.

 

Was geschieht, wenn wir wieder lernen, uns zu spüren? Wenn wir lernen, unserem Körper zuzuhören und wieder seine Sprache verstehen lernen?

 

Es lohnt sich diesen - alternativen Weg - auszuprobieren, als mal wieder die nächste Pille, die nächste Kippe oder den nächsten Keks in den Mund zu schieben. Probiere es aus.