Roter Faden des Lebens

Alles, was wir in unserem Leben je erlebt haben, wird in unserem Unterbewusstsein gespeichert. Alles, was unsere Eltern glauben oder geglaubt haben, glauben wir auch. Ob wir wollen oder nicht, wir saugen (unbewusst) wie ein Schwamm die Überzeugungen unserer Eltern, Großeltern, Lehrer, Erzieher auf, ohne sie zu überprüfen. Wir glauben stets alles, was diese Personen über uns sagen. Solange wir noch klein und formbar sind.

 

Und wenn wir dann erwachsen werden, sind diese (oft negative) Glaubenssätze so verinnerlicht, dass sie uns gar nicht mehr bewusst sind. Doch all die Bevormundung, Kritik, Ablehnung, auch wenn diese in guter Absicht geschah, ist weiterhin präsent in unseren Gedanken und Gefühlen! Diese verinnerlichten Glaubenssätze, Gefühle und Verhaltensweisen verfolgen uns in unserem Leben wie eine Art roter Faden.

 

Als Kind verfügten wir noch nicht über die rationalen Fähigkeiten und Fertigkeiten, um mit solch belastenden Gefühlen umzugehen und diese adäquat zu verarbeiten, also wurden diese Gefühle und Emotionen abgetrennt und abgespalten. In der Kindheit war es stets eine sehr wirkungsvolle Überlegebensstrategie.

All die unverarbeiteten Emotionen sind jedoch weiterhin in uns gespeichert und kommen nach Jahren wieder verstärkt zum Vorschein. Entweder über ungünstige Verhaltensweisen, unangenehme Gefühle oder auch über Krankheitssymptome, die uns aus der Bahn werfen.

 

Unsere Psyche ist wie ein Eisberg. Die Spitze, die wir sehen - also alles was uns bewusst ist - worüber wir nachdenken und was willentlich beeinflussen können, sind der Forschung zu Folge, maximal 5-10%. Der Rest - also bis zu 90% - ist unbewusst und steuert uns zum großen Teil, ohne dass wir einen Einfluss darauf haben. Wir re-agieren so lange, bis wir herausfinden, dass es auch anders geht.

 

Wie oft haben wir uns schon geschworen, beim nächsten Mal nicht das Kind anzubrüllen oder schlagfertig dem Kollegen eine Absage zu erteilen, wenn er uns mal wieder eine unangenehme Tätigkeit aufs Auge drücken will, und dann passiert es doch wieder.

Wie oft haben wir uns schon vorgenommen, keine Angst mehr zu verspüren, wenn wir in ein Gespräch mit dem Vorgesetzten oder Partner gehen?

Wie oft haben wir uns schon gewünscht, es möge endlich der richtige Partner kommen, der uns so liebt und akzeptiert wie wir sind?

 

All das und viel mehr regelt für uns jedoch unser Unterbewusstsein. Es hat einen einzigen Auftrag, nämlich für unser Überleben zu sorgen. Da gilt es alles zu vermeiden, was in der Vergangenheit Schmerz, Leid, Ohnmacht und andere unangenehme (fürs Kind lebensbedrohliche) Gefühle ausgelöst hat.

 

Die Frage ist nun, möchte ich weiterhin nur vermeidend leben oder echte, authentische Beziehungen in mein Leben ziehen? Möchte ich den Job machen, der mir Freude bereitet?

 

Möchte ich leben oder gelebt werden???