Wenn die Seele hungert, isst der Körper

Schon lange frage ich mich und forsche es mit meinen eigenen Erfahrungen nach, was dafür verantwortlich ist, dass wir ab- und zunehmen.

 

Wieso gibt es Menschen, die trotz viel essen und trotz stressiger Lebensweise keinen Gramm zulegen?
Wie kann es sein, dass es Menschen gibt, die schon beim Anblick des Essens zunehmen?

Spannende Fragen, auf die 1000 Wissenschaftler bestimmt mindestens 1000 unterschiedliche Antworten hätten. Wie soll man da das Richtige finden? Wem darf man Glauben schenken? Wer hat Recht? Gibt es das überhaupt?

 

In all den Jahren, seitdem ich mir diese – und viele andere Fragen – stelle, durfte ich feststellen, dass es nur eine einzige – für mich zuverlässige – Quelle des Wissens gibt. Meinen eigenen Körper. Lange Zeit – um genau zu sein – länger als drei Jahrzehnte, hatte ich meinen besten Berater, meinen weisen Begleiter fast komplett aus den Augen verloren. Wie kann das sein?

 

Denn wir leben ja nur in diesem einen Körper in diesem einen Leben. (Ob es ein Leben danach gibt, möchte ich hier nicht diskutieren, vielleicht in einem anderen Beitrag.)

 

Ich weiß nicht, wie Du bis jetzt durch dieses Leben gut durchgekommen bist, mit viel Fühlen oder eher viel Denken, Planen, Analysieren? Ganz, ganz viele Menschen sind zu Kopf-Menschen geworden, da sie den Kontakt zum Fühlen, zum Wahrnehmen und Verstehen des eigenen Körpers verloren haben. So wie ich.

Da in der Kindheit allerlei Dinge passieren, die einem Kind eine Heidenangst einjagen können, oder härtere Erfahrungen wie emotionaler und/oder körperlicher Missbrauch, Gewalterfahrungen dem Kind wiederfahren, ist es irgendwann gezwungen, sich von diesen schrecklichen Gefühlen und Empfindungen abzuschneiden. „Abspaltung“ und „Verdrängun“ wird dieser Vorgang in der Tieferpsychologie genannt. Ein lebenswichtiger Mechanismus der Seele, um das Überleben zu sichern. In der Kindheit ist es auch vollkommen legitim, dieses und andere Abwehrmechanismen zu nutzen. Das Kind und sein noch nicht ausgereiftes Gehirn kennen eben keine anderen Optionen mit dieser Art von Stress umzugehen.

 

Da das Kind – bis zum Alter von 3-4 Jahren – vollkommen im Hier und Jetzt lebt, was bedeutet, dass jeder Schmerz für ihn ewig andauert, denn es hat noch kein Zeitgefühl und „es geht wieder vorbei“, es ist darauf angewiesen, irgendwas zu tun, um diesen inneren Schmerz nicht mehr zu fühlen. Das Abspalten und Verdrängen der negativen Empfindungen führt jedoch unter anderem auch dazu, dass man auch andere Gefühle, Empfindungen und Wahrnehmung des eigenen Körpers abschneidet. Man kann nicht sagen, schlechte Gefühle schneide ich ab, alles Schöne behalte ich. So nicht.

So passiert es im Laufe der Jahre, dass Kinder, die viel Schmerz erfahren haben, sich mehr und mehr verlieren, in ihren Kopf flüchten und versuchen, alles aus dem Kopf zu managen, das Leben zu meistern. Das ist überhaupt nicht verwerflich und soll hier nicht verurteilt werden. Wir alle tun täglich unser Bestes, könnten wir anders, würden wir anders handeln.

 

Doch was hat das alles mit dem Essen zu tun?

So viel, dass es Zusammenhänge gibt. Mensch als ein ganzheitliches Wesen besteht nicht nur aus der Summe seiner Teile, Körper – Seele – Geist. Wir haben eine Psyche, die eine ungeheure Leistung vollbringt, damit wir die Kindheit überleben, dies sollte hier klar und deutlich gewürdigt werden.
Und es gibt auch einen Zusammenhang zwischen unserer geistigen, seelischen und körperlichen Nahrung.

Ist es nicht nachvollziehbar, wenn wir uns vorstellen, ein Mensch, der gerade sich auf einer Reise durch – sagen wir mal – eine Berglandschaft befindet, frische Luft atmet, viel Sonnenlicht tankt, sich Pausen gönnt und sich einfach mal erlaubt einfach zu sein, dann weniger Hunger hat?

 

Wenn die Seele genährt wird, durch frische Luft, viel Sonnenlicht und die Natur, der Geist durch Ruhe und Meditation (in sich ruhen, Pause vom Gedankenkarussell) und vor allem menschliche Nähe gespeist wird, ist es weiter verwunderlich, dass der Körper satt ist bzw. viel weniger Nahrung braucht?

 

Ja ja, ich weiß. Wie weit sind wir alle von diesem Zutand, der Ruhe, von der Natur und der Verbundenheit mit uns selbst entfernt mit all dem Stress, Dauerbeschallung durch Radio/Fernsehen, ständige Präsenz am Smartphone usw? Dazu kommen die Großstädte, in den wir wohnen, kaum grüne Landschaft um uns herum. Viel Zeit verbringen wir im Büro, bei Kunstlicht, nehmen künstliche (industriell hergestellte) Nahrung zu uns…

Ist es da nicht verwunderlich, dass wir mehr und mehr an Gewicht zulegen? Mehr und mehr den Kontakt zu uns selbst verlieren? Mehr und mehr krank werden?