Weißt Du eigentlich, wie es Dir geht?

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit einem Kollegen im Büro. Wir unterhielten uns über meine neue Berufung und was die Heilpraktikerin für Psychotherapie so macht. Er als technisch versierter Berechnungsingenieur hat noch nicht so viel mit Achtsamkeit, Glaubenssätzen und Psychologie allgemein zu tun gehabt. Sagte aber, das Interesse wäre latent jedoch schon immer da gewesen und ein Buch über so ein Thema hätte er auch schon mal gelesen.
 
Interessant in diesem Kontext sind zum Beispiel die ganz unterschiedlichen Wahrnehmungen unserer Umwelt - aus seinen und aus meinen Augen -. Wir sind zur gleichen Zeit im selben Raum, sehen die selben Dinge und trinken denselben Kaffee. Doch jeder nimmt es ganz anders wahr. Ohne Bewertung, wer von uns was dabei fühlt.
 
Die Erkenntnis dabei ist, dass jeder Mensch seine eigene Realität hat und die Realität des Anderen wohl nie zu 100% erfassen und verstehen kann. Doch ist das Interesse da, möchten wir das Gegenüber mehr verstehen – als bisher – fragen wir. Wir fragen ihn / sie, wie es ihm / ihr geht. Wie sieht er die Dinge, die Erlebnisse. Was fühl er/sie?
 
Und ganz oft kommen da Antworten, wie: „Es geht mir gut“.
Was bedeutet das?
 
Bedeutet es: „Ich bin zufrieden“? „So wie ich mich gerade fühle, ist es alles okay"? "Mir geht es im Herzen und im Körper gut.“?
 
Meine eigene Erfahrung zeigt mir jedoch, dass diese Art der Wahrnehmung bei ganz vielen Menschen – und früher auch bei mir - nicht geübt ist. Viele wissen einfach nicht, wie es ihnen wirklich geht. Sie haben kein GEFÜHL für sich und ihren Körper. Und wenn doch, können sie es kaum in Worte fassen.
 
Manch einer fragt sich viellleicht an dieser Stelle: „Na und. Was soll es mir bringen, mich zu fühlen? Mich mit diesem Psychokram zu beschäftigen? Es läuft doch alles.“
 
Nun ja. Solange es alles läuft, ist alles prima. Doch sobald es irgenwie stockt, wird’s schwierig. Wenn wir nicht verstehen, was in uns vorgeht, was uns „komische“ Gefühle und Empfindungen beschert, dann wollen wir es nicht haben. Wir wollen es „weghaben“, zum Beispiel essen wir dann was. Oder rauchen uns eine. Manch anderer nimmt das SmartPhone in die Hand und abends ist das Programm im Fernsehen immer noch 1000mal besser als in sich hineinzuspüren.
 
Doch unser Körper vergisst nichts. Unser Körper ist ein Wunderwerk. Täglich tut er alles dafür, um – möglichst lange und gesund – uns am Leben zu erhalten. Millionen von Zellen erneuern sich stündlich, alles ist darauf ausgerichtet, uns ein gutes Leben zu ermöglichen.
 
Doch wenn wir nicht einmal merken, dass uns 12 Stunden am Tag zu arbeiten, dann 2 Stunden zu fernsehen und andere Dinge eben nicht guttun. Wenn wir nicht merken, dass wir eigentlich schon seit geraumer Zeit mal Urlaub bräuchten, weil unser Stresspegel dauernd oben ist. Wenn wir nicht merken, dass wir (Zeit-)Druck brauchen, um überhaupt in die Gänge zu kommen. Dann irgendwann erschöpft sich unser Selbstheilungssystem. Irgendwann kann der Körper sich nicht mehr selbst regenerieren und es passieren Fehler im Selbstheilungsprogramm.
 
Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Müdigkeit, Trägheit oder auch Überaktivität, und viele viele andere Symptome machen sich bemerkbar.
 
Statt uns zu fragen, „Wie geht es mir jetzt gerade eigentlich, was brauche ich?", nehmen wir Schmerztabletten, trinken uns ein Bierchen, um etwas zu entspannen, nehmen Antibiotika und gehen viel zu früh wieder arbeiten.
 
Anhalten. Pause machen. Durchatmen. Nichts tun.
 
Wäre das nicht eine bessere Alternative? Was sagt Dein Körper gerade dazu?
 
@ Heilpraktikerin für Psychotherapie Tatjana Enns
www.tatjanaenns.de